Ideenkiste Material für Distanz- und Hausaufgaben im Englischunterricht

Zehn Ressourcen für deinen Englischunterricht

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Ich habe zehn Tipps gesammelt, was mir selbst in letzter Zeit so nützliches im Internet über den Weg gelaufen ist, ich hoffe es erspart dir Zeit bei der Unterrichtsvorbereitung und macht dir und deinen Schüler*innen Spaß. Ok, die erste ist nicht Online, aber die Lektüre ist mein absolutes Highlight, die musste ich einfach mit dir teilen.

Image by Dean Moriarty from Pixabay

 

1. Meine "Großen" (Q1) lesen gerade mit Freude "Born a Crime" von Trevor Noah über seine Kindheit und Jugend in Südafrika. Witzig, aktuell, relevant, spannend was soll man mehr sagen - allerdings grenzwertig viele "swear words", aber da bin ich unempfindlich. Für schwächere Schüler*innen kann man die Empfehlung geben, die historischen Zwischenkapitel (fettgedruckt) auszulassen, da er die in einem deutlich schwereren Englisch geschrieben hat als die Geschichten aus seinem eigenen Leben. Dazu gibt es auch die Handreichung. Sie ist ganz ok, für den Überblick als Lehrkraft gut und ein paar Übungen sind ganz nett, aber ist nicht so schön anzusehen und Bilder braucht man nicht zu erwarten.

 

2. Für den Anfangsunterricht gibt es die gratis App wizadora (auch als Onlineangebot) von Planet Schule. Meine Schüler*innen sind dafür schon zu groß, aber vielleicht hast du noch "Kleine"? Ansonsten finde ich auch wie schon öfter erwähnt Duolingo gut, aber das enthält Werbung, empfehle ich also nur als optionale Zusatzaufgabe.

 

3. Kennst du noch die Geschichten, wo man sich aussuchen musste, was man macht und dann auf eine bestimmte Seite weiterblättern konnte? Das gibt es auch online. Man muss allerdings etwas aufpassen, nicht versehentlich eine mit nicht jugendfreien Inhalten zu erwischen. Ich empfehle Schüler*innen die Seite wenn sie mich nach Extramaterial fragen, weil sie bessere Arbeiten schreiben wollen (mehr Lesen gleich bessere Grammatik, Vokabular und Rechtschreibung). Für alle die diese Geschichten so lieben wie ich: Choose your own adventure: http://chooseyourstory.com/Stories/

 

4. Super schön und hilfreich zum Hörverstehen, aber wahrscheinlich begrenzt auf die Zeit des Lockdowns sind gratis Hörbücher von audible. Man muss sich nicht anmelden. Sie sind gut sortiert und die Schüler*innen können sich sogar selbst welche aussuchen. https://stories.audible.com/discovery

 

4. Sitzen die Schüler*innen momentan nicht viel zu viel auf dem Hintern? Die Scouts (Pfadfinder) aus UK haben sich tolle virtuelle Challenges überlegt. Die Seite ist auch sehr ansprechend. Ist da was für dich dabei? https://www.scouts.org.uk/the-great-indoors/

 

5. Bei uns an der Schule hängen zum Glück jetzt Warnposter, aber falls du Sorge hast, dass deine Schüler*innen noch nicht genug informiert sind, könntest du über diesen Artikel das Thema positiv behaftet ins Gespräch bringen. (Ich bin immer dafür Lebenshilfe im Englischunterricht durch die Hintertür zu machen) https://www.intelligentliving.co/three-young-girls-invent-straw-to-detect-date-rape-drugs/

 

6. Und für mehr Gleichberechtigung, was mir als Chemielehrerin besonders am Herzen liegt, Artikel zu Frauen in den Naturwissenschaften:

https://go.technologynetworks.com/women-in-science?fbclid=IwAR3hNPzY4addjFlXB8BrUw4pBS8FH41uDYVIPcVJnoWe5GsO2cUknqSRYWc

 

7. Falls du Shakespeare unterrichtest und nach etwas Pep für die nächste Stunde suchst, hier gibt es einige Gratisdownloads für Comicversionen von Romeo and Juliet, Macbeth und mehr, das ganze Buch muss man ja nicht kaufen. Das tolle ist, man kann den Text auf drei Niveaustufen runterladen, das heißt man kann sich der Komplexität Shakespeares langsam annähern.

 

8. Wusstest du, dass der Guardian auch einen Podcast online hat? Wie wäre es zum Beispiel mit diesem zu Teenagern, die die australische Regierung wegen des Klimawandels verklagen? Passt wunderbar zum Abithema "Chances and Challenges in the English Speaking World", das ich nächstes Schuljahr unterrichte. Auch beim Thema "Australia" könnte man das mit unterbringen dank des schönen Akzents. Ich würde vermutlich nur die erste Hälfte mit den Schüler*innen anhören. Fragen, die ich dazu stellen würde:

a) Explain the reasons why the students are taking the government to court.

b) What actions have they taken apart from suing the government?

 

9. Wenn du Englischlehrer.de noch nicht kennst, kann ich sie dir besonders als Quelle für kurze, nicht zu schwierige Texte empfehlen. Hier wurde aber auch mal ein entwas schwieriger Guardian Artikel zu Plastikvermüllung mit Annotation und Fragen versehen, sehr praktisch.

 

10. Und zuletzt, dieser Link ist vielleicht nicht so praktisch für den Unterricht, aber vielleicht für den ein oder anderen genauso witzig wie für mich (oder falls du Teenager zuhause hast auch für die). Was wäre wenn Fragen wissenschaftlich auf Englisch und mit lustigen Illustrationen beantwortet. Can you get drunk from drinking a druck person's blood?

 

Wie schon im letzten Artikel erwähnt, meine eigene Lektüre für die 5.Klasse bzw. Sprachanfänger gibt es auch noch. Sowohl in digitaler Form, so dass man sie kapitelweise austeilen kann, bei mir (einfach eine Nachricht schreiben, gibt auch noch das ein oder andere Arbeitsblatt dazu) oder in gedruckter Form bei meiner Verlegerin (mit Vorschau) oder bei Amazon.

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Distanzlernen und Hausaufgaben - eine Ideenkiste für die Fremdsprachen

Photo modifiziert. Original von Annie Spratt on Unsplash

[unbezahlte Werbung ohne Auftrag, da Produkte, etc. genannt werden, bewerbe eigenes Produkt]

Ich habe die lieben Kolleg*innen meiner Emailliste gefragt, wer schon Erfahrung gesammelt hat mit Aufgaben für das Distanzlernen/Hausaufgaben, die Schüler*innen zuhause an ihren Endgeräten bearbeiten können. Sie sollten dabei die drei grundlegenden Gütekriterien für Fremdsprachenunterricht erfüllen, die ich auf Grund der Sprachlernforschung an meinen Unterricht anlege:

  • Qualität der Fremdsprache:
    Keine Fehlermaschinerie, bei der schwache Schüler*innen sich ihre eigenen Fehler immer wieder antrainieren (Stichwort LückenteSte und lange Textproduktion)
  • Quantität der Fremdsprache:
    Keine Aufgaben, bei denen lange auf Deutsch kommuniziert wird oder nur einzelne Wörter gelesen/gehört werden.
  • Schülerorientierung
    Ja, das ist das schwierigste, aber besonders wichtig wenn die Schüler*innen sich motivieren sollen, stundenlang allein im Zimmer wie ein Unistudent zu büffeln

Leider hatten nur zwei Kollegen Ideen für Hausaufgaben geschickt, also habe ich selbst in meinen Aufgaben gekramt, um das Angebot an Ideen etwas zu ergänzen. Auch in diesem Blogartikel hatte ich ja schon ein Paar Ideen vorgestellt. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Perfektion. Es folgt ein Artikel nur für Englischlehrer mit zu Ressourcen zum Distanzlernen/für Hausaufgaben.

 

Lektüre - das Mittel der Wahl

Auf dem Spielplatz traf ich eine liebe Kollegin mit ihrer Tochter. Wir hatten zusammen studiert, sie erzählte lachend, dass wir "Englisch-Mädels" von damals ausschließlich Töchter bekommen haben, und zwar nicht wenige. Außerdem sagte sie "wir haben den kompletten ersten Lockdown mit deinem Material bestritten." Sie meinte die digitale Lehrerlieblingslektüre, die ich als Kickstarter herausgebracht hatte, aber inzwischen nur auf Nachfrage verkaufe, da das gedruckte Buch in der neuen Edition veröffentlicht ist.

Genau wie ich hat meine liebe Kollegin auch bei den jüngeren Klassen die Erfahrung gemacht, dass es super klappt, Lektüre Kapitelweise zu kopieren (meine digitale Lektüre passte daher auf eine Doppelseite pro Kapitel). Dazu fertige Leseverständnisfragen nutzen und tadaaa! - spannende Fortsetzungsgeschichte.

Solltest du dringend digitale Lektüre für englische Sprachanfänger brauchen, schreibe mir gern eine Nachricht und wir schauen, was sich machen lässt.

 

Für Englisch habe ich unten auch noch eine Empfehlung, die nicht von mir stammt.

 

Comic Strips

Diese brilliante Idee eines Kollegen, der meinen Newsletter liest, zum Leseverständnis bzw. Hörverständnis werde ich garantiert ausprobieren:

 

"Eine Geschichte in Comic Strips umformen.

A) Text Variante: Nach Lesen von einer Geschichte/Lehrbuchtext: einzelne Sätze der Geschichte zeichnen.

Variation: Ich habe die Schüler aufgefordert, sich fünf verschiedene Sätze der Geschichte herauszusuchen und diese zu illustrieren. Anschließend kann man Bilder der Schüler nehmen und [wieder für die ganze Klasse] Sätze zur Auswahl stellen, die das Bild beschreiben, von denen der richtige gewählt werden muss. Oder die Schüler schreiben eigene Sätze. [eigene Sätze sind oft sehr fehlerbehaftet, würde ich also besonders in den ersten drei Lernjahren vermeiden]

 

B) Video Variante:Schüler sehen einen Kurzfilm und erhalten dann Sätze, die die Geschichte beschreiben. Diese Sätze müssen sie in die richtige Reihenfolge bringen. Wenn die Schüler es können, machen sie Screenshots bzw. entnehmen mit Snipping Tool Standbilder des Films und ordnen diese Sätzen zu.(Das Ganze kann auch mit Cliparts gemacht werden)."

 

Andere Aufgaben zum Leseverständnis

Ich habe auch Texte aus dem Buch genommen und eigene Verständnisfragen dazu entwickelt, die in unserer Lernplattform beantwortet werden sollten (da kann man verschiedene Fragetypen generieren). Die richtigen Antworten hätten sie natürlich in ihrer Klassengruppe teilen können, war aber nach meiner Erfahrung gar nicht der Fall.

 

Auch super bieten sich Sprachzeitschriften an, die oft in den Lehrerzimmern herumliegen. Da sind die Vokabeln auch gleich mitgeliefert und oft gibt es die Texte vorgelesen im Netz. Hier gibt es etwas Gratismaterial (Link führt zu Englisch aber bestimmt gibt es das auch für die anderen Sprachen). Habe davon schon einen Artikel eingesetzt. Er handelte von einer Youtuberin mit stark sichtbarer Behinderung (Nikki Lilly), die Schüler*innen fanden den super. Ich glaube als nächstes mache ich den zu "More Teenagers have Life Coaches". Ich merke nämlich leider, dass sich der Lockdown bei einigen meiner Schüler stark auf die Psyche auswirkt - kein Wunder.

 

Digitale Texte lassen sich auf dem Ipad vorlesen. Da habe ich noch nicht probiert, wie gut die Aussprache ist, aber das steht als nächstes auf meiner Liste. Dann könnten die Schüler sich die Texte auch anständig vorlesen lassen.

 

Youtube videos in denen Kinderbücher vorgelesen werden gibt es momentan wie Sand am Meer, auch von richtigen Berühmtheiten (für Englisch). Die eignen sich oft ganz wunderbar für die verschiedensten Aufgaben.

 

Selbst vorlesen lassen als Hausaufgabe

Hat man erst einmal eine gute Leseverständnis-Geschichte in der Fremdsprache gefunden, kann man sie von den Schülern auch vorlesen lassen. Unsere Lernplattform hat eine Audiofunktion. Der Vorteil ist, dass die anderen Schüler die fehlerhafte Aussprache nicht mithören und man kann am Ende nur die besten Versionen für alle zur Verfügung stellen. Also ein englischer Vorlesewettbewerb. Im Idealfall würde ich da einen kurzen Text nehmen, den die Schüler*innen irgendwo auch schon vorgelesen hören können, damit sie die Aussprache abhören können. Im Idealfall sollten sie sich aus einer Reihe Texte  (oder Gedichte?) eins aussuchen dürfen. Für Englisch empfehle ich den Kanal von Michael Rosen. Da bekomme ich immer "goosebumps", so gut ist der!

 

Schicke Online-Aufgaben selbst erstellen

Das war der zweite Super-Tipp eines Kollegen, der meinen Newsletter liest. Auf https://learningapps.org/ gibt es jede Menge SCHLECHTE Aufgaben für die Schüler, aber man kann selbst relativ schnell gute Aufgaben zum Distanzlernen erstellen. Ich gestehe dass ich die App vor allem für Chemie verwende, da sind viele der Aufgaben nämlich sehr gut.

Zum Beispiel könnte man aber für Distanzaufgaben im Fremdsprachenunterricht Folgendes erstellen:

  • einen Audiotext hören oder eine Geschichte lesen lassen, dann in der App die Geschichte in die richtige Reihenfolge bringen lassen
  • Satzhälften zuordnen lassen (so dass man sprachlich nichts falsch machen kann, nur inhaltlich).
  • Bildergeschichten mit Sätzen zuordnen lassen (bitte keine einzelnen Wort-Bild Kombiaufgaben, die es dort zuhauf gibt. Wer das nicht kann lernt alles falsch und die Sprache ist nicht im Satz eingebunden).

Umfragen speziell im Distanzlernen

Fragebögen finden Schüler*innen oft attraktiv und wenn man die Fragen richtig stellt, kann man erstens mit seinen Schülern besser in Kontakt treten und zweitens sogar einiges an Fremdsprache unterbringen. Die Eltern in meiner Klasse meinten beim letzten Elternabend außerdem, ich sei die einzige Lehrerin gewesen, die auch mal gefragt hätte, wie es den Schülern geht. Da war ich nicht einmal Klassenlehrerin, konnte aber dank des Fragebogens schnell herausfinden, bei wem der Schuh drückte.

 

Auch tolll dafür: Eine offene Frage mit dem Hinweis, dass man sie auch humorvoll beantworten darf:

Vervollständige diesen Satz: I wish Mrs. Dincher knew...

 

Ich hatte Antworten von

... that a lot of us are really trying but it's hard to get up sometimes and do anything at all.

bis

...that polar bears are left handed

...that sand is called sand because it is between the sea and the land.

...how to walk in high heels (from a TPRS story we did in class).

 

Dieses Feedback unten hat mir natürlich sehr geschmeichelt, auch wenn ich weiß, dass der Schüler unrecht hat:

 

An unserer Schule gibt es sehr viele Kollegen gibt, die sich wirklich sehr um unsere Schüler*innen Sorgen und sich sehr gut kümmern, aber die Frage ist manchmal, was auch bei den Schüler*innen ankommt. Wir Kolleg*innen haben leicht hunderte Schüler*innen (ich momentan 180) und es ist schwer, dann individuell zu reagieren. Meine Umfragen, denke ich, haben mir wirklich geholfen, dass sich die Schüler*innen etwas mehr gesehen fühlen und ich kann besser auf alle eingehen:

 

Hier ein konkretes Beispiel für so eine Umfrage ohne großen Schnickschnack:

 

I would like your feedback so I can make the tasks better for the following weeks. Your answers are anonymous, meaning I can't see who said what.

 

Hier eine typische Antwort:

 

Ich habe das mit unserer Lernplattform itslearning erstellt, aber auch Surveymonkey und diverse andere Lösungen könnten das. Datenschutz beachten! Ich habe manchmal eine Kombination der Buchstaben des Nachnamens als Code verlangt, wenn ich mit third party tools zusammen gearbeitet habe.

 

Insgesamt finde ich es gerade schwer, den Schülern adäquate Rückmeldung zu geben. Ich habe zu Analysezwecken einmal die Zeit gestoppt. In 90 min habe ich 18 Schülern Feedback geben können zu einer Aufgabe die etwa eine Drittelseite umfasste. Das heißt in der Doppelstunde, die ich in der Klasse habe, kann ich pro Woche nicht allen Schülern eine Rückmeldung geben. Da sind auch noch keine Emails und Nachrichten beantwortet, Schulorganisation erledigt, Vorbereitung des Unterrichts, Konferenzen, Elterngespräche geführt... Besser geht es, wenn man die Aufgaben in Gruppen abgeben lässt, aber dann gibt es online immer viele Nachfragen und technische Probleme, die auch Zeit fressen. Haltet die Ohren steif, liebe Kolleg*innen!

 

Hast du Ideen für zeitsparende Rückmeldungen oder andere Ressourcen für Fremdsprachenlehrer (die die Gütekriterien erfüllen), dann hinterlasse mir doch einen Kommentar:

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Dieses Material nehme ich nicht einmal geschenkt! - Drei Kriterien für gute Materialien für den Fremdsprachenunterricht

Immer wieder schicken uns Lehrern die großen Verlage freundliche Post voller Gratismaterial, auch da sie wissen, wie gestresst wir im Lehreralltag oft sind. Gerade jetzt kommen die "digital alles so toll" Werbebriefe. Bei mir als Bloggerin kommen noch die "diese perfekte App müssen Sie Ihren Lesern UNBEDINGT vorstellen" Werbeemails. Ich gebe zu, ich bin genauso gierig nach gutem Material wie wir alle, aber das meiste davon wandert hier direkt in den digitalen oder analogen Papierkorb. Lies hier was meine Probleme mit diesen geschenkten lahmen Gäulen sind:

Photo (modifiziert mit Text) von Kira auf der Heide on Unsplash

Die Kopiervorlage zu Stop-Motion-Filmen, die Vokabel-Flashcard-App und fast alle "So bekommen Sie Ihre Schüler endlich zum Sprechen" Anregungen, sie alle wandern bei mir nach einem kurzen Blick direkt in die Ablage "danke, nein danke"...

 

Innerhalb von Sekunden gehe ich meine Gütekriterien durch.

  1. Sprachqualität?
  2. Sprachquantität?
  3. Schülerorientierung?

Alles, was da durchfällt, kann ich getrost ignorieren.

Beispiele gefällig?

Stell dir vor, ich mache tatsächlich ein Stop-Motion-Video-Projekt mit den Schüler*innen. Schon der umständliche Name lässt Arbeit erahnen.

Was wird da tatsächlich in der Unterrichtszeit und der Freizeit der Schüler*innen laufen?

Sprechen sie wirklich Englisch, wenn sie ihre Figürchen aufstellen, verbiegen und drei Millionen (größtenteils minderwertige) Fotos aufnehmen? Ich glaube nicht an den Weihnachtsmann, also auch nicht an "English only bei Gruppenarbeit"...

 

Und der ganze technische Aufwand! Da muss erst einmal gelernt werden,

  • wie man gute Fotos macht,
  • sie zu einem Film zusammenklebt,
  • wie viel man sich vornehmen sollte,
  • wie man Filme schneidet,
  • usw.

Das alles wird höchstwahrscheinlich nicht auf Englisch recherchiert. Was die Schüler*innen hier stattdessen lernen ist, Stop-Motion-Filme zu erstellen. Auch interessant, aber nicht in meinem Englischunterricht!

Die Mikro-Menge an Englisch, das in diesen Filmchen dann untergebracht wird ist die wochenlange Unterrichts- und Freizeit der Schüler nicht Wert!

 

Fazit: Schülerorientierung TOP, Rest FLOP!

 

Warum die Flashcard App von mir nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird:

Kommen wir zur Flashcard-App-Werbe-Email. Klarer Fall von "meinen Blog nicht gelesen, bevor die gleiche Marketing Email an alle Fremdsprachen-Blogger verschickt wurde".

  • Sprachquantität... wohl ganz ok, wenn Schüler*innen sich motivieren könnten, an etwas dran zu bleiben, das für mich schon langweilig aussieht.
  • Schülerorientierung. Fehlanzeige, na gut, da machen wir ohnehin oft Abstriche, dann mal weiter:
  • Sprachqualität... Danke, nein danke. Worte kommen in unserer Sprache im Kontext vor, nicht auf Kärtchen. Es fehlt der Satzzusammenhang und auch die Relevanz. Das Wort auf der Karte hat keinen situativen Bezug und damit fehlt dem Gehirn jeglicher Impuls, das Wort abzuspeichern. Außer natürlich die Angst vor dem Vokabeltest. Das funktioniert begrenzt, es geht aber leichter. Dann noch die Frage, ob die Schüler die Vokabeln selbst übertragen müssen. EINMAL habe ich mir gegeben, die Vokabelhefte meiner 5tklässler*innen zu korrigieren. Davon hatte ich monatelang Albträume! Nein, Spaß beiseite. Aber unseren Schüler*innen fehlt Kompetenz und/oder Motivation, neue englische Worte fehlerfrei abzuschreiben. Von Französisch oder anderen Sprachen fange ich gar nicht an... Das ist nicht ihr Fehler, das ist normal. Also Flashcard-App nur, wenn direkt ans Lehrbuch angebunden, attraktiv und von mir aus gesehen für die Schüler freiwillig.

Digital, eher schmal...

Gerade haben wir erfahren, dass es bei uns in Bremen nach den Weihnachtsferien wieder digital weiter geht. Das wird nicht einfach für alle Beteiligten, aber ich sehe mich in der Verantwortung, als Türsteher die ganzen nervigen und zeitfressenden Materialien auszusperren.

Hier findest du meine Ideen zu digitalen Aufgaben beim letzten Lockdown. Jetzt würde ich gern gemeinsam sammeln, wer hat gute Ideen, die die drei Gütekriterien erfüllen (auch hier noch einmal genauer erklärt) ? Hinterlasse einen Kommentar oder schicke mir eine Nachricht und ich mache eine schöne Ideenkiste für uns alle noch vor dem Schulstart im neuen Jahr!

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Sinnvolle Hausaufgaben in den Fremdsprachen für Zuhause in Zeiten von Schulschließungen

Wir leben schon wirklich in spannenden Zeiten gerade. Ich sehe zum ersten Mal in meinem Leben leere Supermarktregale (nur begrenzt auf Nudeln, Reis, usw., und Klopapier). Heute traf ich eine Frau beim Einkaufen mit 6 Dreierpacks Küchentüchern. Als ich sie drauf ansprach wurde sie ganz schön schnell pampig... Egal. Was mir Sorgen macht, ist neben den größeren wirtschaftlichen und individuellen Folgen auch, was wir den Schülern gerade für Zuhause aufdrücken. Viele dieser Hausaufgabensind nur "busy work", bringt also die Schüler in der Sprache nicht weiter.

Photo by Annie Spratt on Unsplash
Photo by Annie Spratt on Unsplash

Zunächst der Disclaimer...

Mir ist klar, dass einige meiner Schüler momentan in sozialen Situationen eingesperrt sind, die ein Lernen und Hausaufgaben erledigen unmöglich machen. Denen soll kein weiterer Nachteil aufgebürdet werden. Dennoch müssen wir uns auch um die kümmern, die Aufgaben machen können, sollten oder wollen. Die Aufgaben ziehe ich also schweren Herzens nur zur Verbesserung der Note heran.

Was fällt in den Fremdsprachen weg?

Das ist natürlich sehr individuell, aber so grob gesagt fallen bei mir jedenfalls pro Klasse 180 Minuten weg, die zu über 90% der Zeit mit englischem Sprachinput gefüllt sind. Das liegt auch daran, dass ich mit Comprehensible Input Methoden arbeite, die ja von sich aus auf effektive Zeitnutzung ausgelegt sind. Aber auch wenn man traditioneller arbeitet, sollte ja neben den Arbeitsphasen - und teilweise auch darin - sehr viel Fremdsprache stattfinden.

Diese Hausaufgaben bitte nicht (nach)machen!

Wie praktisch die Abschnitte im Buch sind, auf denen seitenweise Aufgaben zu finden sind. Da hat man die Lösungen gleich dazu und die Schüler "sitzen nicht rum". Leider findet Lernen bei Lückentext, Sortier- und Finde den Fehler Aufgaben nur bei sehr guten Schüler/innen statt. Warum erkläre ich hier:

  • Was das Gehirn beim LESEN der Aufgabenstellung wahrnimmt, ist keine korrekte Sprache, da Satzteile weggelassen werden, die Reihenfolge falsch ist oder Endungen inkorrekt sind. Das Gehirn wird dadurch verwirrt und braucht danach mehr korrekten Input um sagen zu können wie die richtige grammatikalische Form aussieht/klingt.
  • Die Aufgaben kommen meist zu früh. Die geforderten Fähigkeiten sind oft prozedural, das heißt wie beim Fahrradfahren nicht kurz erklärbar sondern müssen lange sensorisch aufgenommen und verarbeitet werden. Auch nach einer sechs Wochen Einheit ist es unmöglich, dass Schüler die Formen richtig anwenden, da (O-Ton) Schülerin: "Es einfach falsch klingt". Gemeint war übrigens nach sechs Wochen present perfect "She had had a problem." War auch egal dass im Deutschen auch zweimal "haben" im Satz vorkommt. Von meiner Zweijährigen erwarte ich auch keinen linearen und schon gar nicht kurzfristigen Lernzuwachs.
  • Schüler/innen, die die geforderten Fähigkeiten also eigentlich wie erwartet noch nicht besitzen, machen bei diesen Aufgaben viele Fehler. Dadurch bekommt das Gehirn noch ein paar Extra Wiederholungen der falschen Form.
  • Die Aufgaben sind eigentlich verkappte Tests und haben als solche auch eine Daseinsberechtigung. Aber eben nicht als Übungsaufgabe.
  • Die Aufgaben machen keinen Spaß und vermitteln oft ein Gefühl von Unfähigkeit. Ja, nicht so klasse.

Aber was wären dann gute Hausaufgaben?

Was die Schüler brauchen ist

  • verständlicher
  • korrekter
  • unterhaltsamer sprachlicher Input.

Ja, ich weiß, nichts leichter als das... Haha. Und dann sind auch noch alle auf einem anderen Level.

Dazu kommen technische Probleme:

  • Schüler haben für die Hausaufgaben meist keine Drucker
  • fast immer werden die Aufgaben bei meinen Schülern an kleinen Handybildschirmen erledigt. Oft belegen Eltern den Rechner für Homeoffice oder eigene Beschäftigung.
  • Nicht alle Schüler hatten die Bücher mit nach Hause genommen.
  • Es war keine Zeit mehr, Geld einzusammeln und Lektüren zu bestellen.

Was also tun?

 

Aus dem Englischbuch habe ich vor allem Texte genommen und entweder die Buchaufgaben dazu (keine Grammatik, sondern Leseverständnis) oder selbst welche erstellt. Auf unserer Plattform (itslearning) hatte das den Vorteil, dass ich die Erledigung der Aufgaben persönlich einsehen konnte. Die Buchseiten habe ich eingescannt. Das dürfen wir bis zu 15% eines Werkes und nur in einem passwortgeschützten Bereich.

 

Wer ein Workbook oder Arbeitsheft hat, sollte vor allem die Lese- und Höraufgaben zuhause machen lassen. Ich habe das Workbook wegen überbordender TESTaufgaben mit wenig effektivem Lernnutzen aber abgeschafft.

 

Youtube is your friend, mate... Finde tolle Videos zu deinen Themen, erstelle einige Hausaufgaben dazu und fertig ist die Laube. Naja, hat trotzdem gedauert. Ich habe keine Anfänger, sondern 8. bis E-Phase, da ist es leichter Videos zu finden, die den drei obigen Kriterien genügen.

 

Für das Leseverständnis habe ich das gleiche mit einfachen Geschichten gemacht, die ich online gefunden habe. Testfragen dazu und fertig.

Diese Seite hat einfache englische Geschichten mit Fragen die man teilweise gleich übernehmen kann.

Welche Aufgaben für die Sprachanfänger?

Und für die Sprachanfänger?

 

Oberstes Gebot: GERATE NICHT IN VERSUCHUNG, DIE SCHÜLER SICH GRAMMATIK MIT DEM BUCH SELBST BEIBRINGEN ZU LASSEN.

 

Warum nicht?

  1. Die meisten Schüler haben enorme Schwierigkeiten mit der zusätzlichen Grammatik-Fremdsprache, d.h. den grammatikalischen Fachbegriffen.
  2. Es bringt unglaublich wenig. Es verwirrt viele Schüler, erzeugt KEIN gutes Sprachgefühl und ist für die Produktion von Sprache fast nicht zu gebrauchen, da niemand Zeit hat im Kopf zu deklinieren, Fälle mit Satzteilen in Übereinkunft zu bringen und dann auch noch dran zu denken, was man eigentlich sagen wollte.
  3. Man hat hinterher oft mehr Fehler als vorher. Daher kommt zum Beispiel das "she wills go" und "he wented". Haben sie nie gehört, kommt rein aus Regelüberanwendung.
  4. Es macht keinen Spaß und die Fremdsprache wird zum Hassfach. Wollen wir nicht.

Ähnliches gilt für Vokabeln aus dem Buch lernen. Ist nicht ganz so schlimm, aber das führt hier zu weit. Habe ich hier genau erzählt: Deine Schüler lernen keine Vokabeln? Müssen sie auch nicht.

 

Was würde ich dann also theoretisch mit den Kleinen machen?

 

Die 5.-7.Klässler dürfen bei uns noch nicht gezwungen werden die Lernplattform zu nutzen. Leider (aber verständlich). Wenn es bei euch geht, ist es sehr schick, sich selbst aufzunehmen, während man eine graphisch stark entlastete Geschichte erzählt. Das lieben die Schüler. Unten ein Beispiel von vielen (suche mal TPRS story listening, auch bestimmt in deiner Sprache.):

Listen and draws kann man auch gut selbst erstellen für die Kleinen. Dazu nimmt man seine eigene Stimme auf, und gibt dabei Zeichenanweisungen. Vielleicht erst ein Blatt, dass die Vokabeln wie Formen, Präpositionen oder body parts erklärt und dann soll ein Haus mit Garten vor einem Berg gezeichnet werden oder bunte Monster mit lustigen Gliedmaßen. Hier habe ich einige dieser Ideen gefunden, die ich auch so schon im Unterricht eingesetzt habe. Hier ein ganz schickes Beispiel, mit vorbereitetem Worksheet.

 

Das gleiche gilt für read and draw. Hier ein Beispiel. Hier ein noch schönes Beispiel. Das geht auch als Arbeitsblatt, das man den Schülern zukommen lassen kann.

 

Duolingo lasse ich immer freiwillig für Bonuspunkte machen. Sie sollen mir nur einen Screenshot von ihrem Level vorher und nachher machen. Es waren bisher immer drei bis fünf Schüler pro Klasse, die sich bei Duolingo richtig reingehängt haben.

 

Wenn ihr noch gute Ideen habt, schreibt mir.

Und die ganz Fortgeschrittenen?

Langsam geht mir bei diesem Artikel der Saft aus. Aber die "Großen" sollten bei mir ein Wahlkampfvideo analysieren mit Vokabular und Methodikhilfe aus dem Netz. Dann Effektivität und Methodik vergleichen mit lustiger Werbung. Alles als Text im Heft zur späteren Besprechung. Es wird doch dazu kommen?! Bibber...

Was ist mit technischen Schwierigkeiten der Schüler?

Nach einer Woche hatten in meiner Klasse vier Schüler die Online-Aufgaben nicht gemacht (bei Hausaufgaben in der Klasse sind es sonst 2/3...). Die habe ich angerufen um abzuklären ob sie wirklich Internetzugang haben. Hatten sie, nur technische Schwierigkeiten, die sich lösen ließen.

 

Hätte ein Schüler keinen Zugang, auch nicht vom Handy der Eltern, hätte ich mir Gedanken über Aufgaben gemacht, die diese Person nicht ausschließen.

 

Wegen der kleinen Bildschirme sollten die Schüler die Aufgaben entweder im Heft zur späteren Kontrolle oder auf der Lernplattform in Form von kurzen Testfragen beantworten. Und nein, sie scheinen nicht die Seiten abfotografiert und in die Klassengruppe gestellt zu haben... Darauf sollte man aber vorbereitet sein.

 

Lange Texte online abliefern finde ich nicht in Ordnung wenn man am Handy arbeitet, es sei denn sie dürfen per Hand schreiben und abfotografieren. Darauf hatte ich aber keine Lust.

 

Was total genervt hat, war dass uns Sofatutor ans Herz gelegt wurde, da wir als Schule einen kostenlosen Zugang haben, viele Schüler aber trotzdem die Videos nicht sehen konnten ohne gefragt zu werden, ob sie einen nur 30 Tage kostenlosen Account erstellen wollten. Ich hatte zwei Stunden investiert die wenigen wirklich guten Videos zu finden und dazu Testfragen zu erstellen. Das Problem konnte ich bis jetzt noch nicht lösen. Habe den Support aber kontaktiert. Mal sehen.

Bonus: Komme mit den Schülern in Kontakt

Ganz klasse fand ich das Ergebnis meiner spontanen Idee, eine Aufgabe zu machen die einfach hieß, "schicke mir auf Englisch über die Messengerfunktion der Plattform einen sehr kurzen Text dazu entweder wie es dir mit der Ausgangssperre geht oder was für Tipps du hast, wie man sich zuhause beschäftigen kann".

 

Ich war so dankbar, dass ich einen Überblick hatte, wie es allen geht. Ich konnte beruhigen und inhaltlich korrigieren, wo nötig und fühlte mich besser in der Lage für meine Schüler da zu sein. So einen guten Kontakt zu einer ganzen Klasse hatte ich sonst nicht.

 

Und die Tipps habe ich auch sehr genossen. Eine Schülerin schlug vor mal was Aufwendigeres zu kochen. Das animierte mich mein Gnocchi-Trauma zu überwinden. Mit Unkraut-Pesto. Sehr lecker war das!

Und zuletzt: Hol dir Feedback!

Unsere Lernplattform (itslearning) hat eine Umfrage-Funktion. Die ist wenn gewünscht anonym. Da habe ich einfach zwei Fragen erstellt. Eine dazu, wie lehrreich, umfangreich und unterhaltsam sie die Aufgaben fanden und eine dazu was sie sich für die nächsten Wochen wünschen würden.

Und was wollen die Schüler?

Was war das Ergebnis meiner Umfrage? Am liebsten beantworten die Schüler Umfragen. Dann LESEN und Fragen beantworten, erst danach Videos mit Fragen und zuletzt, wenig überraschend, das Buch... Das war bei all meinen drei Englischklassen übrigens identisch!

 

So, das war's jetzt aber. Ich hoffe es hat dir genützt. Bleib gesund und munter und natürlich momentan - ZUHAUSE!

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Deine Schüler lernen keine Vokabeln? Müssen sie auch nicht!

Mann, habe ich mich früher immer geärgert, dass die wenigsten meiner Schüler Vokabeln lernten. Und dabei habe ich die blöde Büffelei als Schülerin selbst gehasst. Das war auch ein Grund, weshalb Latein trotz meines Sprach- und Grammatiktalents bei einer knappen Vier herumgurkte, während ich in Englisch Bestnoten hatte. Aber selbst in Englisch hörte ich nach der 9. Klasse auf Vokabeln zu pauken... und machte danach mehr Fortschritte als je zuvor. Wie das zusammen passt und meine Schüler trotzdem einen guten Wortschatz entwickelt haben? Lies weiter...

 

Außerdem möchte ich noch schnell darauf hinweisen, dass ihr mich bei dieser Konferenz treffen könnt (zum ersten Mal lässt Mama ihr - nicht mehr - Baby über Nacht allein). Das ist ein super tolles Treffen europäischer Fremdsprachenlehrer mit alternativen Tendenzen. Mehr dazu am Ende.

Photo by Ben White on Unsplash

Argumente gegen Vokabeltests

Ich habe mir das GUT überlegt... Hier also meine Gründe, die allseits beliebten Vokabeltests weitgehend auszusetzen:

 

Die Resultate

Erstens lernen die wenigsten und die Tests fallen meist enorm schlecht aus, oder hast du andere Schüler als ich? Ich habe sogar versucht, identische Tests mehrfach schreiben zu lassen. Brachte auch nichts...

 

Die gelernten Vokabeln gehen zudem oft nicht in den aktiven Wortschatz über. Diese Studie hatte ich schon einmal erwähnt. Sie zeigt, dass Worte aus Geschichten besser im Gedächtnis bleiben als gelernte Vokabeln. Meist sind sie auch nicht im Satzzusammenhang gelernt und damit für das Gehirn teilweise wertlos da der Kontext und die Anwendung fehlt. Ausnahmen sind sehr simple Substantive wie aus dem Bereich Essen oder Tiere.

 

Affektiver Filter

Vokabeltests sind für alle Beteiligten nervig und stressig. Mal im Ernst. Wer korrigiert schon gern... (Ausnahme siehe unten)

Selbst die Schüler, die gut abschneiden, sind oft ängstlich und unter Druck. Das hat man in Klassenarbeiten schon genug und braucht den Druck nicht noch weiter zu erhöhen. Ich versuche Englisch bei den Schülern eher in die Freizeitsparte zu integrieren, da ist Zwang kontraproduktiv (bitte nicht mit laissez-faire verwechseln).

 

Soziale Gerechtigkeit

Wer lernt für Vokabeltests? Die Schüler die ohnehin schon gut in Englisch sind und privat gute Voraussetzungen zum Lernen haben oder gute Unterstützung.

Setze ich die Vokabeln dann voraus, vergrößere ich die soziale Schere in meinen Klassen. Da habe ich keine Lust drauf.

 

Die Fehlerschmiede...

Beim Lernen für Vokabeltests habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Schüler endlos Fehler produzieren. Entweder "raten" sie erstmal und verunsichern das Gehirn dadurch, oder erzeugen beim Abschreiben neue und originelle Fehler.

 

Manche armen Seelen (ich war mal eine davon) kontrollieren die Vokabelhefte der Schüler bevor sie anfangen zu lernen. Da ist die Vokabel aber schon einmal falsch im Gehirn gelandet.

Zudem war der Aufwand einfach nicht zu leisten. Man glaubt gar nicht, wie UNGLAUBLICH viele Fehler Schüler schon bei zehn Vokabeln produzieren können... Das wird durch unsere zunehmend lesefaulen Schüler sicher auch nicht besser...

 

Und was dann?

Ganz einfach. Fremdsprache HÖREN, LESEN, LESEN,  LESEN und NOCH MEHR LESEN. Ja, das ist auch nicht einfach, aber es geht.

Soll das heißen, Lesen ist effektiver als Vokabeln pauken?

Ja, darauf deuten sehr viele Studien hin. Eine habe ich schon einmal in einem vergangenen Artikel zusammen gefasst. Die konkreten Belege warum Lesen mehr bringt als Vokabeln lernen muss ich in einem zukünftigen Artikel für dich zusammenfassen, da ich jetzt schon zwei Stunden an diesem Artikel sitze und gleich mal Essen machen muss... Das tue ich ja gerne, aber warum muss man es jeden Tag gleich mehrmals - und seit ich Mama bin auch noch ständig gesund?!

 

Nur noch kurz, neuerdings habe ich auch den freiwilligen Vokabeltest für mich entdeckt. Der macht mehr Spaß zu korrigieren, da die Schüler viel besser abschneiden und man nur drei bis fünf Exemplare pro Klasse auf dem Tisch hat. Das Schreiben des Tests machen wir nebenbei, wenn die anderen Schüler mucksmäuschenstill lesen, also in der Bibliotheksstunde. Klappt bisher sehr gut.

Lust, an diesen Themen und anderen mit anderen tollen internationalen Kollegen zu arbeiten?

Ich bin schon zum zweiten Mal als Presenterin auf dieser Konferenz in den Osterferien in Ermelo und freue mich riesig. Eine so inspirierende und lehrreiche Atmosphäre gibt es auf deutschen Fortbildungen selten. Ich werde mir auch zwei Workshops ansehen und meine neu gewonnene Freiheit genießen, denn Daddy ist zum ersten Mal mit Kind allein über Nacht zuhause...

Würde mich super freuen, dich dort zu sehen.  Als CI/TPRS Anfänger UNBEDINGT die Demonstration CI (Comprehensible Input) class buchen und Bretonisch lernen. Der Lehrer ist der Hammer und arbeitet unglaublich gut.

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Das machen wir jetzt vor jeder Klassenarbeit!

Nein, diese Technik ist nicht speziell für Fremdsprachenlehrer, aber das kümmert mich nicht. Die Studie aus der sie stammt, versuchte die Durchfallrate sozial-ökonomisch benachteiligter Schüler im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu verringern. Das Ergebnis einer (von praktisch jedem Lehrer anwendbaren) Intervention war eine HALBIERUNG der Durchfallrate.

 

Das schaue ich mir für meinen Unterricht ab!

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich unterrichte viele Schüler, deren Familien auf Unterstützung vom Staat angewiesen sind, und mir sind alle meine Schüler wichtig. Soziale Gerechtigkeit wird zudem immer wieder von internationalen Studien im deutschen Schulsystem bemängelt. In diesen düsteren Zeiten lese ich gern Artikel auf Goodnewsnetwork.com und Upworthy.com um nicht komplett in mediale Depression zu verfallen. Dieser Artikel stieß mich auf eine wirklich nützliche Studie mit praktischem Nutzen für meinen Unterricht.

Der Aufbau der Studie

Die Studie stützte sich auf andere Forschung, die gezeigt hatte, dass sozial-ökonomisch benachteiligte Schüler sehr sensibel für Situationen sind, in denen sie möglicherweise benachteiligt sind (Rejection Sensibility). Dieser mentale Effekt führt dazu, dass die Schüler unterschwellig ängstlicher sind und schlechter in Tests abschneiden (Performance Anxiety).
Die Studie mit über 1000 Schülern testete zwei Formen von kleiner Intervention (und die Kombination beider), mit wie ich finde beeindruckendem Ergebnis.
Eine Schülergruppe wurden direkt vor Beginn des Tests instruiert, 10 Minuten lang ihre Gedanken und Sorgen aufzuschreiben.
Eine zweite Gruppe las einen Artikel und beantwortete Fragen dazu. Der Artikel behandelte wie Angst und Nervositäts eigentlich hilfreiche Symptome für nützliche Aufregung sein können, die die eigenen Fähigkeiten unterstützt.
Die dritte Gruppe kombinierte gekürzte Versionen beider Aufgaben in der gleichen Zeit.
Die Kontrollgruppe sollte Angst und Nervosität einfach ignorieren.

Das Ergebnis

Die gesamte Studie könnt ihr hier nachlesen. Das Ergebnis der Studie zeigte große Unterschiede abhängig vom Hintergrund der Schüler. Schüler von höherem sozio-ökonomischem Status hatten keine Nachteile aber auch keine signifikanten Vorteile durch die Interventionen. Schüler, die für kostenloses Mittagessen qualifiziert waren, schnitten dagegen massiv besser in den nachfolgenden Tests ab. Es wurde vermutet, dass sie über weniger emotional regulierende Fähigkeiten verfügen und daher stärker profitieren.
Die kombinierte Aufgabe gab übrigens keine zusätzlichen Boni. Die Wissenschaftler stellten die Hypothese auf, dass die Reihenfolge der beiden Aufgaben eventuell getauscht werden sollte, so dass die Schüler erst den Artikel lesen und dann ihre Gedanken und Emotionen auf dieser Basis reevaluieren.
Im Ergebnis konnte die Studie die Durchfallrate der sozio-ökonomisch benachteiligten Schüler von 39% auf sagenhafte 18% senken und dadurch einen guten Teil zu sozialer Gerechtigkeit beitragen.

Ich werde diese zehn Minuten ab jetzt investieren, auch wenn ich dafür meine Klassenarbeit kürzen muss. Wie siehst du das? Ist es dir die Zeit Wert?

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Mein Liebstes Kennenlernspiel und eine Retrospektive

Willkommen zurück, ja, ich bin lange untergetaucht, aber ich freue mich, endlich wieder regelmäßig zu schreiben. Beginnen möchte ich mit meinem liebsten Kennenlernspiel (aber nicht nur für den Start zu gebrauchen). Danach folgt eine kleine Retrospektive der letzten fünf Jahren in der gleichen Klasse und etwas anderem Englischunterricht.

Kennenlernspiel: Line Game

Vielleicht kennst du das Line Game. Es ist mein liebstes Kennenlernspiel ab der 9. Klasse.

 

Dazu erklärst du die längste freie Strecke im Klassenraum zu einer virtuellen Messlatte. Diese geht von Null bis Zehn oder von "Überhaupt nicht" bis "ganz extrem" oder "sehr kurz" bis "sehr lang". Keine Sorge, das wird gleich offensichtlich. Natürlich erfolgt die Erklärung in der Fremdsprache.

 

Dann stellst du Fragen, zu denen sich die Schüler einfach durch Aufstellen positionieren müssen.

Achte darauf, mit eher unpersönlichen Fragen zu starten und dann persönlicher zu werden.

 

Besonders Extreme laden natürlich zum Nachfragen ein. Ich stelle mich dazu auf einen Stuhl, sonst könnte ich bei meiner Körpergröße die Hälfte Schüler nicht sehen...

 

Gute Fragen meiner Ansicht nach:

 

  • How old are you?
  • How long does it take you to get to school?
  • How many pets do you have?
  • How much do you like school?
  • How far away do you want to go after you finish school?
  • How much do you like the school subject English?
  • How much do you like the language English?
  • How much time do you spend reading, viewing or listening to English outside of school (computer games included)?
  • How much time do you spend reading books?
  • How much time do you spend playing computer games?

 

Das Spiel eignet sich auch später für andere Themen, zum Beispiel Abithemen oder auch Lektürearbeit:

 

  • How much do you like the character Mercutio?
  • How serious do you think is Romeo and Juliet's love?
  • How guilty of the lovers' death is Juliet's father?

Die Retrospektive: The good, the bad and the ugly...

Noch nie zuvor habe ich eine Klasse fünf Jahre lang unterrichtet. Noch nie zuvor habe ich fünf Jahre lang alternativen Englischunterricht (z.B. fast gänzlich ohne Vokabelllernen) gemacht. Stattdessen gab es TPRS, TPR, und sehr, sehr viel Lesen.

 

Würde ich es nochmal so machen?

Am ersten Schultag mit der Klasse wusste ich noch nicht, was wir gemeinsam wagen würden. Ich dachte, wir probieren diese von mir neu erlernten Methoden einfach mal zwei Wochen aus und am Elternabend könnte man mal schauen, wie das Feedback so aussieht.

 

Eine Woche später war klar, es gibt kein zurück. Und die meisten Eltern waren auch schon überzeugt, bevor ich überhaupt anfing, mein Konzept zu erklären. Ihre Kinder hatten zuhause sehr geschwärmt.

 

Was haben fünf Jahre Spielen, Lesen und Geschichten Erzählen statt Schulbuch und Arbeitsblatt gebracht(etwas vereinfacht dargestellt) ?

Etwa acht der Schüler, die von Anfang bis Ende dabei waren (ca. 24 meiner 30 Schüler gesamt) haben ein hervorragendes Niveau erreicht, das ich sonst höchstens bei ein oder zwei Schülern in der Klasse hatte, und auch nur weil diese zuhause viel auf Englisch lasen und Computer spielten. Gefühlt (so viele neunte Klassen hatte ich als Vergleich noch nicht) ist der Rest etwa auf dem gleichen Niveau wie er sonst gewesen wäre, d.h. mit Schulbuch, ausgedehntem Grammatikunterricht und Vokabelpaukerei.

 

Allerdings haben die schwachen Schüler ein bedeutend größeres Vokabular und Hörverständnis, auch wenn sie schriftlich trotzdem schwach und mündlich schüchtern sind.

 

Beeindruckt haben mich auch neu hinzu gekommene Schüler, die erst sehr schwach waren, dann aber wieder Mut fassten und enorm aufholten. Das war mir in meinem traditionellen Unterricht bisher noch nicht passiert.

 

Etwa drei bis vier der starken Schüler haben ein Niveau erreicht, mit dem sie die E-Phase (10.Klasse) problemlos überspringen könnten und dennoch im Leistungskurs zurecht kommen würden. Sie können sich sehr gut und flüssig auf Englisch ausdrücken und haben für die neunte Klasse ein sehr umfassendes Vokabular, das über das, was wir im Unterricht gemacht haben, weit hinaus ging.

 

Um nicht nur meine Worte gelten zu lassen:

 

Ein Elternteil kam vor den Sommerferien zu mir und sagte, wie gut die Methode sei, da sich sein Sohn im Urlaub praktisch flüssig auf Englisch verständigte. Als ihn sein Vater darauf ansprach, sagte er nur: "Ich bin aber nicht der Beste in der Klasse."

 

Und mein Lieblingskommentar kommt von einem Schüler mit leichter Rechtschreibschwäche, der jahrelang fast nichts im Unterricht gesagt hat und immer seine Dreien geschrieben hat:

 

"Hello, my name is ...", das war mit das erste, was ich von Ihnen gelernt habe. Inzwischen habe ich ein brauchbares Vokabular, ohne jemals Vokabeln gelernt zu haben.

 

Sein Vokabular ist mehr als brauchbar... Irgendwann fing dieser Schüler an und konnte die ausgefallendsten Vokabelfragen beantworten.

Womit bin ich unzufrieden?

Zufrieden bin ich natürlich nie. Gerade im Mittelfeld hätte ich mit mehr Kompetenz im Schreiben gerechnet, da wie so enorm viel gelesen haben (die letzten zwei Jahre mindestens 30 Minuten pro Woche mit selbstgewählten Büchern).

 

Ich war überrascht, dass selbst Schüler, die 300 Seiten Harry Potter gelesen hatten, noch so viele Rechtschreib- und Grammatikfehler machten.

 

Ich denke, da muss ich noch an meinen Fähigkeiten arbeiten. Dazu habe ich in Frankreich bei der European TPRS Conference in Agen in diesen Sommerferien bei Workshops und Gesprächen sehr gute  Ideen gewonnen.

 

Ich habe dort unter anderem eine Woche Englisch unterrichtet und wurde dabei von einer erfahrenen Lehrerin gecoacht, während Neulinge von hinten zuguckten und Feedback gaben. Wenn dieser Drill mir nicht angewöhnt hat, langsamer zu sprechen und mehr zu wiederholen, sollte ich meinen Job an den Nagel hängen.

 

Hier ein paar Impressionen der phantastischen Konferenz:

Wenn die Lehrerin halb so alt ist wie die meisten ihrer Schüler... Wir hatten so viel Spaß:

 

Also, auf ein Neues, es gibt viel zu tun. Was hast du dir für das neue Schuljahr vorgenommen? Oder falls du schon angefangen hast, siehst du schon Erfolge, oder hat dich der Trott eingeholt?

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Fehlerhafte Fehlerkorrektur...

Klassenarbeiten Korrigieren in den Fremdsprachen... Wahrscheinlich genauso beliebt bei Lehrern wie das Schreiben derselben bei Schülern. Für mich gilt das definitiv, allein durch den unglaublichen Zeitaufwand. Aber wie zielführend ist diese Sisyphusarbeit eigentlich? An diesem Thema scheiden sich die Geister. Dabei scheint die Datenlage doch in eine ganz bestimmte Richtung zu weisen...

Dieses Bild ist nicht von mir, sondern von Pixabay...

An einer Abiklausur sitze ich mit Gutachten Schreiben im Schnitt 2.5 Stunden. Pro Schüler. Also mal eben eine Woche Mehrarbeit. Dabei wird natürlich anders korrigiert, da es hier um Fehlerdokumentation nicht -feedback geht. Aber auch Oberstufenklausuren fallen mit ca. 1.5 Stunden pro Schüler zu Buche. Lohnt sich diese massive Arbeit? Was sagt die Wissenschaft dazu?

Eine Auswahl an Studien

Einen guten ersten Eindruck bekommt man in diesem Artikel von Devon Woods, 1989, für mündliche und schriftliche Fehlerkorrektur (denn die Sachlage ist nicht neu). Mein Lieblingspunkt aus diesem leider englischen Artikel ist der Grund warum wir vermutlich so gern korrigieren. Wir erinnern uns, wie der Autor bemerkt, natürlich vor allem selektiv an die wenigen Momente in denen die Korrektur doch einen positiven Effekt hatte. Insgesamt kommt der Autor nach Analyse mehrerer Studien zu dem Fazit, dass Fehlerkorrektur in den Fremdsprachen meist eher schadet als nützt.

 

Wer meint, diese Studie sei nur ein Ausnahmefall, dem lege ich hier noch einige Belege ans Herz (mit bestem Dank an meine französische Freundin und Kollegin Judy Dubois, deren Artikel mich auf die Fährte der Studien geführt hat):

 

Dieser Artikel von Gray (2004) konzentriert sich vor allem auf die schriftliche Fehlerkorrektur und betrachtet andere Studien. Mir gefällt persönlich das Zitat von Truscott darin, in dem er bemerkt, dass die meisten Lehrer aus Erfahrung wissen, dass Schüler trotz Korrektur immer wieder die gleichen Fehler machen. Die Schüler dann als faul oder dumm zu beurteilen scheint wenig sinnvoll, da das Phänomen auch bei überdurchschnittlich guten Schülern auftritt...

 

Hier kritisiert der eben zitierte Truscott (1999) die Kritik einer Kollegin an seiner Kritik der Grammatikkorrektur ;-). Dabei analysiert er die Datenlage aber sehr gut und versucht auch Belege für die Gegenseite zu finden. Es scheint, dass die Fehlerkorrektur in der Praxis völlig selbstverständlich ist, obwohl die Datenlage aus der Wissenschaft dazu eher negative Indizien liefert.

 

Diese Studie (Kepner 1991) schlägt ebenfalls vor, ganzheitlich auf den Inhalt hin zu korrigieren, da sich so der Schreibstil stärker verbessert als bei expliziter Sprachkorrektur.

 

Diese Studie (Sheppard 1992) kam zum gleichen Ergebnis.

 

Hier eine Studie (Semke 1984), die zeigt, dass Fehlerkorrektur zudem die Einstellung der Schüler zum Fremdsprachenunterricht negativ beeinflusst.

 

Diese Studie von Qosayere (2015) fand ich sehr unterhaltsam. Sie behauptet, die obigen Studien zu wiederlegen, die den tatsächlichen Lernfortschritt der Schüler gemessen haben. Die Methodik der Studie waren allerdings Schüler- und Lehrerinterviews. Das Argument der Forscher war also in meinen Worten wiedergegeben: "Grammatikkorrektur bringt doch etwas da Schüler und Lehrer sie in unserer Studie toll fanden..."

Und jetzt?

Was also tun wenn die alte Vorgehensweise, jeden einzelnen Fehler zu markieren, niemandem nützt?

 

In der E-phase (10.Klasse) habe ich schon begonnen, meine Korrektur einzuschränken. Ich erklärte den Schülern genau, warum sie jetzt nur noch auf einer Seite eine detaillierte Korrektur jedes einzelnen Fehlers bekommen würden und ansonsten das summarische Feedback über unsere integrative Sprachbewertungsmatrix mit acht Kategorien von unter anderem Wortwahl über Adressatenspezifität zu Eigenständigkeit. Statt Randbemerkungen aus Buchstaben bemühte ich mich, stärker auf die Argumentation und den Stil einzugehen. Zudem gewann ich Zeit für summarische Rückmeldungen am Ende. Hier einige Beispiele:

  • I can see that you studied the topical vocabulary, which had a positive effect on your text.
  • Mind the difference between they=sie, there=dort and their=ihre.

  • Your punctuation is still fairly German. Please look at the rules sheet again and leave time to check for these kinds of mistakes at the end. If you leave out the comma before "that", your text will already look much more natural.
  • Remember not to use “kids” in place of "children" in formal writing and also avoid abbreviating “there's”, etc.
  • You still capitalized random words in the text.

Wie man am letzten Beispiel sehen konnte, gelang es mir auch besser, den Fortschritt der Schüler sowohl für mich als auch für sie zu dokumentieren. Ich schaute bei der Korrektur einfach in den Rückmeldebogen der letzten Klausur und konnte sofort notieren, ob der Schüler bestimmte Fehlerarten jetzt vermieden hatte. Diese Zeit hatte ich vorher nicht, als ich auf 12 Seiten jedes einzelne fehlende Komma markieren musste.

Proteste über diese neue Vorgehensweise gab es übrigens nicht.

 

Auch bei den jüngeren Schülern habe ich begonnen, eine Matrix mit Rückmeldungen zu verwenden, statt Fehler zu unterstreichen. Denn wenn ich jeden Fehler markiere, betone ich ihn dadurch ja zusätzlich und das Gehirn der Schüler prägt ihn sich um so besser ein.

 

Im nächsten Artikel betrachte ich die mündliche Fehlerkorrektur.

 

Was meinst du? Überzeugt dich die Sachlage, oder hängst du an der detaillierten Fehlerkorrektur?

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Frisch ins neue Jahr! Hallo 2017! (Mit Question Words Download)

So, ich wieder hochmotiviert, im neuen Jahr Artikel zu schreiben, Videos zu drehen und Material für dich hochzuladen. Unten findest du schon mal einen Download für deinen Klassenraum.

Nicht alles war ein Reinfall 2016, jedenfalls beruflich. Meine guten Vorsätze vom letzten Jahr haben sich teilweise ganz gut gehalten. Ok, der selbstgebastelte Adventskalender hat sich wieder nicht von selbst gebastelt. Aber ich bin zum Beispiel schon viel besser darin geworden, die Anwesenheit der Schüler im Unterricht verlässlicher zu notieren.

 

Teacherstudio, die app, die ich zur Verwaltung dieser Daten und meiner Noten einsetze, hat sich auch verbessert und ist komfortabler geworden (nein, ich bekomme keine Provision, benutze sie nur selbst sehr gern). Trotzdem muss man natürlich das Handy am Stundenanfang herausholen, auch wenn einen drei Schüler mit Anliegen belagern. Das ging dies Jahr besser.

 

Im Chemieunterricht (ausgerechnet...) haben mir die Schüler gezeigt, wie wichtig Geschichten sind, was mich verblüfft und inspiriert hat, mehr nach solchen chemischen Erzählungen zu suchen. Gleichzeitig bestärkt es mich, noch mehr mit Geschichten im Englischunterricht zu arbeiten.

 

Der Klassenraum meiner 9.Klasse ist allerdings immer noch nicht aufgehübscht. Da habe ich einen echten blinden Fleck, keine Ahnung wie andere Kollegen das machen, die Blumen, hübsche Bilder und sogar Aquarien in ihren Räumen haben. Die Fenster meines Klassenraums sind momentan von außen mit rohem Ei "dekoriert".

Das wird mein Vorsatz für's neue Jahr. Also die Deko, nicht die Aquarien oder die rohen Eier.

Ich will für die Schüler und mich eine schönere Lernumgebung schaffen, wie auch schon in diesem Video von mir angekündigt.

 

Dazu jetzt der erste Schritt. Die Fragewörter müssen UNBEDINGT in all meinen Englischräumen an die Wand. Was bringt es, wenn ich Fragen stelle und die Schüler keine Ahnung haben, was gefragt ist? Daher habe ich mich hingesetzt und ein paar hoffentlich aussagekräftige Illustrationen mit den Question Words kombiniert. Auf zwei Seiten findest du die wichtigsten englischen Fragewörter mit hübschen Bildchen (siehe Foto unten)

Ich denke, ich werde noch mit buntem Stift die deutsche Version der Question Words dazu schreiben. Wenn du nicht Englisch unterrichtest, kannst du die Fragewörter ganz fix übersetzen, da du hier oder mit Klick auf das Bild die .doc Datei herunterladen kannst.

Einfach downloaden, nach Wunsch verändern, auf A3 kopieren, aufhängen, fertig.

Was ist sonst geplant? Videos, Materialien, natürlich. Und sonst? Ich will mehr über Deutsch als Fremdsprache lernen und damit Sprachen ohne gemeinsame Verkehrssprache zu unterrichten. Dazu kommt Sprachen unterrichten ohne Studium, da sehr viele von euch mir dazu Emails schreiben. Also, let's see where it takes us.

 

Ich wünsche dir ein ganz erfolgreiches 2017 mit deinen Klassen.

 

Liebe Grüße,

 

Charlotte

 

P.S.: Vergiss nicht, dass du auch als nicht Englisch-Lehrer die Question Words einfach übersetzen und benutzen kannst. Hier geht's zum Download.

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Linktipps

Ich hoffe du hast gerade nichts Besseres vor als Zeit im Netz zu verdaddeln... Hier kommen meine besten Linktipps für Fremdsprachenlehrer und auch zwei neue Videos von meinem Youtube-Channel (der gerade umgezogen ist).

 

Schau hier, wenn du Lust auf einen kleinen Tipp hast, wie du die Raumdeko für dich arbeiten lassen kannst:

 

 

Es war sehr angenehm, den Artikel "The Hard Part" zu lesen, einfach weil es schön ist, verstanden zu werden...

Auszug: "Show me a teacher who thinks she’s got everything all under control and doesn’t need to fix a thing for next year, and I will show you a lousy teacher."

 

Bei den Match-Minies kann man mal über den Tellerrand gucken. Gut verdauliche, wenn auch englische Videos zu best-practices von einer amerikanischen Privat-"Uni", die Lehrer ausbildet.

Kontrovers: Das Video "The Case for Cold-Calling".

Ich habe in Chemie ausprobiert, Namen zu ziehen um zu entscheiden, wer die Ergebnisse der Gruppenarbeit präsentieren muss und kann sagen, dass ich sehr gute Ergebnisse dabei hatte. In Englisch rufe ich dennoch fast nie ohne Meldung auf, da ich die Schüler nicht bloßstellen will. In der Fremdsprache zu sprechen ist einfach deutlich anspruchsvoller und emotionaler für die Schüler, finde ich.

 

Älter, aber nicht schlechter. Manfred Spitzer räumt bei der ZEIT mit Lernmythen auf.

 

Speziell für Englischlehrer

Ah, was für eine nette kleine Aktivität für 10 Minuten. Einmal zeigen, wie wichtig Wortstellung ist. 

 

Ich bin gerade mitten in Cory Doctorows "Little Brother" als Privatlektüre und es ist sooo spannend. Man kann das Buch aber auch super mit dem Leistungskurs lesen. Passt gut beim Thema "Individual and Society".

Es geht um tech-savvie Marcus, der die zunehmende Überwachung seiner Schule und des Staates geschickt umgeht, dann aber bei einem Terroranschlag zum Verdächtigen wird. Als seine Menschenrechte den Bach hinunter gehen, startet er einen geheimen Feldzug gegen Big Brother.

Es gibt den Text sogar umsonst im Netz, vom Autor selbst zur Verfügung gestellt und in seinem Blog auch noch reichlich Zusatzmaterial von Lehrern selbst erstellt. Hier zum Beispiel ein Jeopardy. Und ja, von den großen deutschen Verlagen gibt es auch schon einiges an Kopiervorlagen.

 

Auch anregend, vor allem für den Leistungskurs: Eine schöne Übersicht über den cognitive bias, also die Tendenz des Gehirns, Informationen sehr subjektiv nach bestimmten Kriterien zu beurteilen.

 

Für TPRS - Interessierte

Michelle ist eine tolle TPRS-Lehrerin, die mir die Klassenbibliothek so fantastisch vermittelt hat, dass ich mir sofort eine selbst anlegen musste. Hier sieht man sie in ihrem ganz normalen Unterricht. Besonders positiv finde ich wie sie Gesten einsetzt und für Verständlichkeit sorgt. Das Französisch kann ich schlecht beurteilen, da ich darin eine komplette Niete bin, aber es geht mir bei dem Video auch nur um ihre Methode.

 

Und nicht zuletzt noch ein Video von mir. Eine kleine Übersicht über die Materialien, die ich selbst benutzt habe um mir TPRS anzueignen. Ich hoffe, es hilft.

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Es geht endlich weiter!

Eine halbe Ewigkeit habe ich mich verbuddelt, auch um die Lehrerlieblingslektüre zu vollenden und zu perfektionieren. Aber jetzt geht es endlich weiter. Das gibt's Neues:

1. Videos

Ich habe mich ja lange nicht getraut. Sogar als die Videos schon gedreht waren, verschob ich den Termin für die Veröffentlichung Monat um Monat. Warum erzähle ich meinen Schülern auch immer: "Denkt daran, NIEMALS youtube Videos unter eurem Namen veröffentlichen!"

Außerdem bin ich trotz Unterrichten und Fortbildungen und was weiß ich allem doch (noch?) sehr introvertiert und muss mich selbst manchmal mühsam aus dem Panzer herauslocken. Wer weiß, ob ich mich jeh getraut hätte, wenn ich es nicht schon so vielen versprochen hätte.

Hier also mein neuer Youtube-Kanal mit den ersten zwei Videos.

2. Veranstaltungen

Im September und Oktober gibt es einige Möglichkeiten, wenn du mich mal persönlich auf einer Fortbildung sehen möchtest und Interesse hast, deinen Fremdsprachenunterricht so richtig auszumisten.

 

Für die Nordlichter geht das am 15.09.2016, 15.00-18.00 im RPZ / Ostfr. Landschaft, Fischteichweg 16, Aurich. Link zur Anmeldung hier.  Dabei geht es darum, Grammatikunterricht in der Sek I zu revolutionieren. Was solltest du nie wieder in deinem Unterricht machen, weil es die Schüler schlechter macht? Wie viel Hindi kannst du in 10 Minuten lernen? Welche Techniken funktionieren dagegen hervorragend und machen allen Beteiligten Spaß?

 

Für die Südländer, ich bin am Donnerstag den 30.September um 13 Uhr beim Bundeskongress des Gesamtverbandes moderne Fremdsprachen in Nürnberg. Anmeldung hier. Dabei geht es darum, Grammatikunterricht in der Sek I zu revolutionieren. In 90 min. kurz und knackig: Was solltest du nie wieder in deinem Unterricht machen, weil es die Schüler schlechter macht? Was funktioniert statt dessen hervorragend und macht Spaß?

 

Und nicht zuletzt, wer Englisch kann und richtig weiterkommen will: ich werde bei der European TPRS conference in Amersfoort, NL einen Fortgeschrittenenworkshop anbieten (7.-9.10.). Ich war bei den äquivalenten Fortbildungen in den USA und habe noch nie so viel für meinen Unterricht mitgenommen wie dort. Außerdem sind dort Freundschaften entstanden, die ich nicht missen möchte. Ist natürlich kein Schnäppchen, aber ich habe meine Investition nie bereut. Definitiv eine Empfehlung für TPRS und CI Anfänger und Fortgeschrittene. Noch bis Ende August wurde der Frühbucherpreis verlängert, also schnell entscheiden. Infos hier.

 

3. Die Lehrerlieblingslektüre

Wieder so ein Thema wo ich meinen inneren Schweinehund erst zähmen muss. Mein erstes kleines Buch und dann gleich im Doppelpack... Eine Lektüre für die fünfte und eine für die sechste Klasse, mit Lehrermaterial. Und alles digital, damit man es verändern kann. Alle die beim Kickstarter mitgemacht haben, haben ihre Kopien erhalten und der eine oder andere hat schon ganz begeistert berichtet. Jetzt ärgere ich mich nur noch mit rechtlichen Regularien herum bevor ich sie auf meiner Website anbieten kann. Hier sind die fantastischen Cover, die mit eurer Hilfe entstanden sind:

Was war während der Sendepause?

Meine 5. und 8. Klasse haben sich gut gemacht, auch wenn die kleinen ganz schön lebhaft sind. Ich habe einiges Neues ausprobiert, von dem ich auch hier oder bei Youtube berichten werde.

Judy Dubois aus Frankreich (die TPRS witch, die ihre eigenen super-entspannte Konferenzen organisiert) und ein Kollege aus Südafrika haben sich bei mir eingeladen und mich im Unterricht besucht. War ich nervös? JAAAA! Wie's war? FANTASTISCH! Von ihnen habe ich einiges gelernt (siehe auch das zweite Video) und das eine oder andere Projekt mit ihnen angeschoben.

Die Sommerferien verbrachte ich größtenteils in London, auch um den Umzug meines Freundes nach Deutschland zu organisieren (jippi-ja-ja-jippy-jippy-jey)!

Und nicht zuletzt war ich in den Sommerferien endlich wieder in Indien.

Bist du schon gestartet? Auf jeden Fall hoffe ich, dass du nette, nicht zu volle Klassen und einen angenehmen Stundenplan hast.

 

Ich starte immer gern mit dem Line-Game. Dabei stellen sich die Schüler auf einer imaginären Linie von wenig bis sehr viel/weit auf. Ich stelle Fragen von unpersönlich:

Wie weit wohnst du von der Schule entfernt?

Wie weit möchtest du nach der Schule weggehen?

Bis zu Persönlicherem:

Wie sehr magst du den EnglischUNTERRICHT?

Wie sehr magst du die Sprache Englisch?

Wie viel beschäftigst du dich außerhalb des Unterrichtes mit Englisch?

 

Zum Schluss die Frage an dich: Was machst du gern für Kennenlernspiele auf Englisch?

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Die erste TPRS-Lektüre für den Englischunterricht

Mit Lektüre zu arbeiten war mir immer zu nervig. Die Bücher entweder zu schwer oder zu uninteressant. Das Besorgen nervig oder meinen nicht so reich beschenkten Schülern nicht zuzumuten. Was also tun? Selbst ist die Frau, und so wurde die erste TPRS-Lektüre für den Englischunterricht geboren. Eine digitale Lektüre, die Englischlehrer lebenslang kopieren und verändern dürfen. Der Kickstarter läuft nur noch bis zum 16.11.15! Also bei Interesse schnell deine Version sichern.


Mittlerweile habe ich zwei Reader fertig geschrieben, einen für die 5. und einen für die 6. Klasse. Der erste hat auch schon umfassende Teacher's Notes erhalten (mit Quizfragen, Worksheets, usw.) .


Das Prinzip ist identisch mit den amerikanischen TPRS-Readern á la "Poor Ana", etc. Allerdings sind die neuen Reader voll auf unsere Schüler in Deutschland abgestimmt.

Die Geschichten handeln von realistischen Schülern mit Smartphones, die in die USA oder nach London reisen und dort mit der Kultur interagieren. Das läuft nicht immer ganz einfach....


Da ich die Lektüre als Fortsetzungsroman ausgeteilt habe, konnten die schnellen Schüler nicht vor-lesen und die langsamen waren nicht entmutigt durch den langen Text. WIN!


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