Mein Liebstes Kennenlernspiel und eine Retrospektive

Willkommen zurück, ja, ich bin lange untergetaucht, aber ich freue mich, endlich wieder regelmäßig zu schreiben. Beginnen möchte ich mit meinem liebsten Kennenlernspiel (aber nicht nur für den Start zu gebrauchen). Danach folgt eine kleine Retrospektive der letzten fünf Jahren in der gleichen Klasse und etwas anderem Englischunterricht.

Kennenlernspiel: Line Game

Vielleicht kennst du das Line Game. Es ist mein liebstes Kennenlernspiel ab der 9. Klasse.

 

Dazu erklärst du die längste freie Strecke im Klassenraum zu einer virtuellen Messlatte. Diese geht von Null bis Zehn oder von "Überhaupt nicht" bis "ganz extrem" oder "sehr kurz" bis "sehr lang". Keine Sorge, das wird gleich offensichtlich. Natürlich erfolgt die Erklärung in der Fremdsprache.

 

Dann stellst du Fragen, zu denen sich die Schüler einfach durch Aufstellen positionieren müssen.

Achte darauf, mit eher unpersönlichen Fragen zu starten und dann persönlicher zu werden.

 

Besonders Extreme laden natürlich zum Nachfragen ein. Ich stelle mich dazu auf einen Stuhl, sonst könnte ich bei meiner Körpergröße die Hälfte Schüler nicht sehen...

 

Gute Fragen meiner Ansicht nach:

 

  • How old are you?
  • How long does it take you to get to school?
  • How many pets do you have?
  • How much do you like school?
  • How far away do you want to go after you finish school?
  • How much do you like the school subject English?
  • How much do you like the language English?
  • How much time do you spend reading, viewing or listening to English outside of school (computer games included)?
  • How much time do you spend reading books?
  • How much time do you spend playing computer games?

 

Das Spiel eignet sich auch später für andere Themen, zum Beispiel Abithemen oder auch Lektürearbeit:

 

  • How much do you like the character Mercutio?
  • How serious do you think is Romeo and Juliet's love?
  • How guilty of the lovers' death is Juliet's father?

Die Retrospektive: The good, the bad and the ugly...

Noch nie zuvor habe ich eine Klasse fünf Jahre lang unterrichtet. Noch nie zuvor habe ich fünf Jahre lang alternativen Englischunterricht (z.B. fast gänzlich ohne Vokabelllernen) gemacht. Stattdessen gab es TPRS, TPR, und sehr, sehr viel Lesen.

 

Würde ich es nochmal so machen?

Am ersten Schultag mit der Klasse wusste ich noch nicht, was wir gemeinsam wagen würden. Ich dachte, wir probieren diese von mir neu erlernten Methoden einfach mal zwei Wochen aus und am Elternabend könnte man mal schauen, wie das Feedback so aussieht.

 

Eine Woche später war klar, es gibt kein zurück. Und die meisten Eltern waren auch schon überzeugt, bevor ich überhaupt anfing, mein Konzept zu erklären. Ihre Kinder hatten zuhause sehr geschwärmt.

 

Was haben fünf Jahre Spielen, Lesen und Geschichten Erzählen statt Schulbuch und Arbeitsblatt gebracht(etwas vereinfacht dargestellt) ?

Etwa acht der Schüler, die von Anfang bis Ende dabei waren (ca. 24 meiner 30 Schüler gesamt) haben ein hervorragendes Niveau erreicht, das ich sonst höchstens bei ein oder zwei Schülern in der Klasse hatte, und auch nur weil diese zuhause viel auf Englisch lasen und Computer spielten. Gefühlt (so viele neunte Klassen hatte ich als Vergleich noch nicht) ist der Rest etwa auf dem gleichen Niveau wie er sonst gewesen wäre, d.h. mit Schulbuch, ausgedehntem Grammatikunterricht und Vokabelpaukerei.

 

Allerdings haben die schwachen Schüler ein bedeutend größeres Vokabular und Hörverständnis, auch wenn sie schriftlich trotzdem schwach und mündlich schüchtern sind.

 

Beeindruckt haben mich auch neu hinzu gekommene Schüler, die erst sehr schwach waren, dann aber wieder Mut fassten und enorm aufholten. Das war mir in meinem traditionellen Unterricht bisher noch nicht passiert.

 

Etwa drei bis vier der starken Schüler haben ein Niveau erreicht, mit dem sie die E-Phase (10.Klasse) problemlos überspringen könnten und dennoch im Leistungskurs zurecht kommen würden. Sie können sich sehr gut und flüssig auf Englisch ausdrücken und haben für die neunte Klasse ein sehr umfassendes Vokabular, das über das, was wir im Unterricht gemacht haben, weit hinaus ging.

 

Um nicht nur meine Worte gelten zu lassen:

 

Ein Elternteil kam vor den Sommerferien zu mir und sagte, wie gut die Methode sei, da sich sein Sohn im Urlaub praktisch flüssig auf Englisch verständigte. Als ihn sein Vater darauf ansprach, sagte er nur: "Ich bin aber nicht der Beste in der Klasse."

 

Und mein Lieblingskommentar kommt von einem Schüler mit leichter Rechtschreibschwäche, der jahrelang fast nichts im Unterricht gesagt hat und immer seine Dreien geschrieben hat:

 

"Hello, my name is ...", das war mit das erste, was ich von Ihnen gelernt habe. Inzwischen habe ich ein brauchbares Vokabular, ohne jemals Vokabeln gelernt zu haben.

 

Sein Vokabular ist mehr als brauchbar... Irgendwann fing dieser Schüler an und konnte die ausgefallendsten Vokabelfragen beantworten.

Womit bin ich unzufrieden?

Zufrieden bin ich natürlich nie. Gerade im Mittelfeld hätte ich mit mehr Kompetenz im Schreiben gerechnet, da wie so enorm viel gelesen haben (die letzten zwei Jahre mindestens 30 Minuten pro Woche mit selbstgewählten Büchern).

 

Ich war überrascht, dass selbst Schüler, die 300 Seiten Harry Potter gelesen hatten, noch so viele Rechtschreib- und Grammatikfehler machten.

 

Ich denke, da muss ich noch an meinen Fähigkeiten arbeiten. Dazu habe ich in Frankreich bei der European TPRS Conference in Agen in diesen Sommerferien bei Workshops und Gesprächen sehr gute  Ideen gewonnen.

 

Ich habe dort unter anderem eine Woche Englisch unterrichtet und wurde dabei von einer erfahrenen Lehrerin gecoacht, während Neulinge von hinten zuguckten und Feedback gaben. Wenn dieser Drill mir nicht angewöhnt hat, langsamer zu sprechen und mehr zu wiederholen, sollte ich meinen Job an den Nagel hängen.

 

Hier ein paar Impressionen der phantastischen Konferenz:

Wenn die Lehrerin halb so alt ist wie die meisten ihrer Schüler... Wir hatten so viel Spaß:

 

Also, auf ein Neues, es gibt viel zu tun. Was hast du dir für das neue Schuljahr vorgenommen? Oder falls du schon angefangen hast, siehst du schon Erfolge, oder hat dich der Trott eingeholt?

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Kommentare: 1
  • #1

    Christian (Samstag, 27 Januar 2018 15:20)

    Ich habe eine ähnliche Erfahrung gemacht, allerdings aus Schüler- und nicht Lehrersicht. In der Schule bin ich im Englisch Unterricht nie mitgekommen, es war mein absolutes Hassfach! Ich fand Vokabellernen so unendlich langweilig und habe mich durch jede staubige Minute des Unterrichts gequält. -- But today! It's amazing how easy the Englisch language can be! I myself had to attend an <a href="https://www.speakeasysprachzeug.de/abendkurse-englisch">Englisch language course</a> because my company had an audition in the Netherlands. And as you can read this school managed to improve my Englisch in a way I never thought possible! --

    Daher freue ich mich über LehrerInnen wie Sie, die der nächsten Generation den Frust erspart, den ich in der Schule ertragen musste! Weiter so :)