Kurzfilme machen's leicht - Beispiel für guten Grammatikunterricht in den Fremdsprachen (Teil 2)

Hier folgt also Teil II meiner Einführung in Kurzfilme im Unterricht. In Teil I habe ich erklärt, wie man Kurzfilme allgemein sinnvoll einbindet um Grammatik mit Leichtigkeit und Spaß zu vermitteln. Jetzt zeige ich ganz konkret an Hand eines Beispiels, wie du den gleichen Kurzfilm in verschiedenen Klassenstufen einsetzen kannst. Wenn du den gleichen Film in zwei Klassen parallel einsetzt, hast du dir die halbe Arbeit gespart. Glückliche Lehrer, glückliche Schüler!

So geht's:

1. Der Vorlauf
Also, den Kurzfilm hast du ausgewählt, die Stoppstellen, wie im vorherigen Artikel gezeigt, ausgewählt, dann kann es ja schon fast losgehen.

 

2. Grammatikalischen Fokus auswählen

Was willst du vermitteln? Wähle einen grammatikalischen Aspekt, den du genauer betonen willst.

 

3. Schülern in der Fremdsprache Löcher in den Bauch fragen und selbst immer mit beantworten

 

Also langsam zum Mitschreiben:

Überlege dir den grammatikalischen Fokus

Überlege dir nun noch einen sinnvollen grammatikalischen Fokus für deine Klasse. Ist die Verlaufsform dran? Vergangenheitsform? Hapert es an den Präpositionen? Bei mir waren es einfach die Verben. Bedenke die Vorbildung eurer Schüler (ich meine das was sie können, nicht das was sie können sollten...). Mein "Schüler" (der zufällig auch mein Traummann ist) kann schon Gegenwart und Perfekt verstehen, also habe ich die einfache Vergangenheit ausgelassen.

 

Nun stelle Fragen mit offensichtlichen Antworten, in denen du die Grammatik einbaust, auf die du dich konzentrieren willst. Das ist leichter als es klingt. Du kannst auch ruhig zwischendrin abweichen, das macht es eher interessanter.

 

Der Anfang des Kurzfilms (bis Minute 1:20) kann also mit Fragen ganz unterschiedlich gestaltet werden. Hier drei ganz verschiedene Beispiele:


Wie sieht das ganz konkret aus?

Fokus Verben: (Beispiel wie ich es mit meinem Schatz eingesetzt habe)

 

"Wie viele Schiffe fahren da? Sind die Schiffe schnell gefahren? Fahren die Schiffe in die gleiche Richtung? Fahren die Schiffe aneinander vorbei? Kann man da Menschen auf den Schiffen sehen? Fällt da etwas über Bord? Was fällt da über Bord? Fallen da vier Kisten über Bord? Fallen die Kisten ins Wasser? Sinken die Kisten? Sinken die Schiffe oder die Kisten? Welches Schiff sinkt zuerst?"

 

Das sind zwar viele neue Worte, mein Schatz hat aber schon einen guten Unterbau und kann sehr gut von gleichklingenden Wörtern (swims = schwimmt, sinks = sinkt) ableiten. Hier zwei ganz andere Beispiele:

 

Fokus Vergangenheit, unregelmäßige Verben: (Beispiel wie ich es in Englisch einsetzen würde)

 

"How many ships were there? Were there any blue ships? What color were the ships? Did the ships go the same way or the opposite way (oder "direction" wenn sie das schon können)? That's right, they went the opposite way. [Beantwortet immer eure eigenen Fragen!!! Das ist hervorragender Input].

What went overboard? Did the people go overboard? No, the people didn't go overboard [Die Schüler brauchen auch reichhaltigen Input zur Verneinung, daran spart das Lehrbuch immer so schrecklich].

Two boxes went overboard, right? No, three boxes went overboard. Did the ships swim or sink? That's right, they sank. Did both ships sink? Yes, both ships sank. What swam? Yes, the boxes swam. Where did they swim to? Did they swim to an island or to Ireland?" [Unterschied kurz erklären für Landeskunde-Einschub].

 

Fokus Steigerung der Adjektive:

 

"Which ship is bigger, the one on the left or the one on the right? Which ship is the heaviest, the one on the right? Which ship is faster? Oh, none? Right, they are both slow. Which ship sinks faster? Is the sheep bigger than the box? Are the sheep's eyes bigger than from a normal sheep?

Später: Which is more dangerous, interesting, ... the sheep or the monster? Which has longer teeth, a longer tail, thicker skin... Which is angrier? More scared? More aggressive? What is hardest, a rock or a palm tree?"

Drei weitere Tipps

  • Wenn du gut bis, kannst du besonders bei den Nein- und Oder-Fragen gerne witzig sein. "Was the ship the Titanic?", etc.. Wer lacht, lernt unbewusst.
  • Stelle unbedingt auch vorhersagende Fragen: "Is the sheep strong?" "Do sheep eat meat?" "Is it a good idea to open the box?" Das erhöht die Spannung ungemein.
  • Erzeuge gute Cliffhanger in den Videos und du wirst die Schüler praktisch in den Wahnsinn treiben, so sehr wollen sie, dass es weiter geht. Wenn du dann auf Ruhe wartest, wirst du sehen, wie schnell sie sich gegenseitig ermahnen, damit sie endlich wissen was weiter passiert...

Fazit

Wie du siehst, kannst du den gleichen Film durch deinen "Teacher Talk" hochgradig spezifisch einsetzen. Und dann sogar für zwei Klassen praktisch die gleiche Unterrichtsplanung machen. Erfolg garantiert!

Außerdem bringst du Grammatik von höchster Qualität, immer im kommunikativen Zusammenhang und hochgradig verständlich.

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Kommentare: 4
  • #1

    Lali (Donnerstag, 04 September 2014 08:13)

    Besten Dank für Tipps.
    Toll!

  • #2

    Charlotte (Donnerstag, 04 September 2014 11:01)

    Bitte gern! Und vielen Dank für den Kommentar.

  • #3

    meric (Donnerstag, 03 November 2016 22:45)

    Tolles video und schöne tipps.. Vielen Dank.

  • #4

    Jersey1806 (Donnerstag, 31 August 2017 09:04)

    Die Idee ist prima. werde ich gleich ausprobieren. Meine neunte steht so auf Kriegsfuss mit Englisch.

    Ganz liebe Grüße